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Der Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis 2025 geht an Tanja Handels  

Der Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis 2025, in diesem Jahr ausgeschrieben für die herausragende Übersetzung eines historischen Romans, geht an Tanja Handels für ihre Übertragung von „Betrug“ der britischen Autorin Zadie Smith.

Tanja Handels (c) Anja Kapunkt

Der mit 15.000 Euro dotierte Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis, finanziert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, wird vom Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e. V. verliehen. Die Preisvergabe erfolgt im Herbst in Biberach an der Riß und wird von der Christoph Martin Wieland- Stiftung organisiert.

Die Mitglieder der diesjährigen Jury, bestehend aus den Literaturübersetzerinnen Eva Bonné, Kristina Kallert und Elena Kritzokat sowie den Literaturwissenschaftlerinnen Claudia Kramatschek und Jutta Heinz, begründen ihre Entscheidung wie folgt:

„Mit „Betrug“ legt Zadie Smith einen historischen Roman vor, der ausgehend von einer historischen Begebenheit, dem sogenannten Tichborne-Fall, einem der aufsehen-erregendsten britischen Gerichtsprozesse, ein dichtes Textgewebe aus authentischen Figuren und Ereignissen erschafft, angereichert ist durch fiktionale Stränge und Stimmen. Die Autorin entfaltet darin ein nuancenreiches Panorama Großbritanniens im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Tanja Handels Übersetzung ist äußerst raffiniert und nuancenreich. Dem vielfältigen Figurenpersonal des Romans, das zugleich unterschiedliche soziale Schichten abbildet, verleiht sie eine je eigene Stimme und ein je eigenes Sprachregister. Die Übersetzung glänzt durch einen durchgehend prägnanten Ton, der so griffig wie wendig ist und auf jeder Seite durch frische Bilder und die farbenreiche Gestaltung der sprachlichen Mittel besticht. So fängt sie den Spagat des Originals zwischen historisch markierter und zeitloser Sprache ein und wagt doch eigenständige Entscheidungen. Dem viktorianischen Zeitalter verleiht sie treffsicher Farbe, dem englischen Humor eine gewitzte Stimme. Die komplexen Ausführungen der so klugen wie sprachverliebten Erzählfigur Eliza Touchet überträgt sie in ebenso rhythmische wie schillernde Satzgebilde. Bis zum Schluss des umfangreichen Romans verliert die Übersetzung dabei nichts an ihrer Spannkraft. Hier schöpft eine Übersetzerin aus ihrem schier unerschöpflichen sprachlichen Fundus und zeigt sich auf der Höhe ihrer Kunst.“

 

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