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Hans-Peter Kübler über die Herausforderungen von 2012

Hans-Peter Kübler ist bei Libri seit einem Jahr als Geschäftsführer verantwortlich für den Bereich Vertrieb, Logistik, Informatik und Organisation. Und, wie es aussieht, hat in diesem Jahr bei Libri alles bestens geklappt, wie er selbstbewusst sagt: „Ich denke, wir bei Libri haben dem Buchhandel damit ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht“.

Das war Anlass für unser Sonntagsgespräch, in dem es auch darum geht, „einen Markt im Wandel als Chance zu erkennen ist nicht immer leicht“, wie er sagt.

BuchMarkt: Herr Kübler, können Sie sich heute am ersten Tag des neuen Jahres entspannt zurücklehnen?

Hans-Peter Kübler: Ja und nein. Aber das wäre meinem „erstem Lehrjahr“ im Buchhandel

Hans-Peter Kübler:
„Der Ergebnisdruck lastet auf
allen Marktteilnehmern“

gegenüber ungerecht. 2011 war ein spannendes und interessantes Jahr und ich habe eine großartige Branche kennengelernt.

Das hören unsere Leser im Buchhandel gern.

Das ist ja auch richtig so. Besonders interessant empfand ich etwa die Bereitschaft vieler Buchhändler, ihr Geschäft neu zu überdenken. Einen Markt im Wandel als Chance zu erkennen ist nicht immer leicht.

Mit den Campus Veranstaltungen etwa gemeinsam mit dem BuchmarktFORUM engagiert sich Ihr Haus ziemlich intensiv, um dabei mitzuhelfen.

Ja, daran wollen wir festhalten. Ich war bei selbst an vielen Diskussionen über Ladengestaltung, Positionierung und Internet bzw. mobiler Auftritt dabei, und weiß, wie diese Tage nachwirken. Und ich denke, unser Gründerleitfaden hilft hier sogar auch erfahrenen Händlern nichts zu vergessen oder aber auch Altbekanntes neu zu bewerten.

Was haben Sie über den Handel gelernt?

Hierbei zeigt sicher immer wieder: Der Leser erwartet die Präsenz eines Händlers über alle Vertriebskanäle an 24 Stunden, an sieben Tagen die Woche. Und da können und wollen wir weiter mit Produkten und Dienstleistungen helfen.

Und die wären?

Mit unseren skalierbaren Lösungen für das Ladengeschäft und das Internet bieten wir dem Buchhandel eine solide Basis an. Dabei legen wir besonderen Wert auf einen einfachen und kostengünstigen Einstieg und eine klare Entwicklungslinie der Systeme, welche den Händler in allen Phasen des Aus-und Aufbaus seines Geschäfts begleitet und unterstützt. Darum bieten wir auch Storeline und Shopline – Produkte, die eine Entwicklung des Geschäfts unterstützen. Dadurch kann sich das Geschäft des Händlers weiter entwickeln, ohne dass ein Systemwechsel notwendig wird! Schließlich wollen wir unseren Händlern heute und an jedem Tag in der Zukunft ein guter Partner sein.

Aber Sie haben vorhin gezögert, meine Eingangsfrage eindeutig zu beantworten…

… was daran liegt, dass ich noch viele Herausforderungen sehe. Denn für dieses Jahr rechne ich mit gravierenden Veränderungen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette.

Können Sie das etwas präzisieren?

Der Ergebnisdruck lastet auf allen Marktteilnehmern. So muss ein jeder Marktauftritt bzw. dessen Anpassung sofort auf den Prüfstand der Wirtschaftlichkeit gestellt werden. Für uns bei Libri eine wichtige Aufgabe unseren Beitrag zu minimalen Kosten zu leisten, um so dem Händler eine Basis für die Leistungsführerschaft beim Leser zu schaffen. Es liegt mir besonders daran dieses Versprechen für alle Marktteilnehmer unabhängig von ihrer Größe einzulösen.

Sie meinen damit auch die Zusammenarbeit mit der eBuch-Genossenschaft?

Ja, das ist ein schönes Beispiel. Unsere Arbeit mit der eBuch ist ein toller Beweis für eine Partnerschaft, welche vor Allem die Leistung für die unabhängigen Sortimenter und deren Kunden in den Vordergrund stellt. Ein besonderer Ansporn für uns ist der Anspruch von eBuch, ein hocheffizientes Konzept zur Unterstützung der täglichen Arbeiten im Buchhandel zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die sortimenterische Freiheit nicht einzuschränken. Mit der Gründung einer Wirtschaftstochter hat die eBuch in 2011 die Grundlage für das weitere Wachstum der Organisation geschaffen. Dazu muss man der Genossenschaft einfach gratulieren.

Dabei hören die Unkenrufe nicht auf, die das physische Buch gefährdet sehen und fast totreden wollen. Und viele Händler suchen im Nonbook die Zukunft…

… die das Geschäft mit dem Nonbook in meinen Augen falsch verstanden haben. Ich bin überzeugt, dass das Buch weiter wert ist sich darauf zu konzentrieren. Ausweichen auf andere Sortimente kann keine Antwort auf die Notwendigkeit eines frischen Angebots an die Kunden sein. Deshalb spreche ich gerne von den Lesern als Kunden, die werden sicherlich gerne von arrondierenden Sortimenten überrascht. Ins Geschäft, stationär wie online, kommen Sie jedoch wegen der Lust am Lesen.

Die Gefahr besteht aber, dass sie nicht ins Geschäft kommen, wenn sie Stoff für ihren E-Reader suchen. Ich sehe kein einfaches Konzept, dass den stationären Buchhandel an dem Geschäft mit dem E-Buch beteiligt – wenn es denn eins wird.

In einem Jahr voller Unsicherheiten hat sich ein Trend ganz klar herausgestellt – der heißt: „Digital“. Das wird eine völlig neue Welt des Verlegens, Handelns, Lesens welche noch immer in den Anfängen steckt. Die Buchbranche hat in der Vergangenheit Standards für sich geschaffen, wie kaum eine andere. Dies gilt es sicherlich zum Thema eBook / Digital sicher noch zu meistern. Hier ist Klarheit und ein Branchendialog dringend notwendig. Marktteilnehmer und Interessenten gibt es genügend – die Transparenz und einen klaren Prozess welchen wir aus dem physischen Buch kennen vermisse ich allerdings.

In welche Richtung denken Sie denn?

Allem voran ist die Frage; „Was wollen die Leser von morgen?“ Um diese Frage immer wieder neu zu beantworten, diskutieren wir mit unseren Kunden und erarbeiten gemeinsam individuelle Lösungskonzepte. Alles natürlich auf der Basis gut funktionierender Prozesse, für die Libri in der Branche bekannt ist. Wir sind nur zufrieden, wenn wir in der Partnerschaft einen Mehrwert schaffen können. Ein Wertetransfer durch Rabattschlachten ist in dieser Zeit gefährlicher denn je. Sie verdrängen die eigentliche Aufgabe– den Kunden zu überraschen, ja in den Buchhandel „zu locken“! Für 2012 wünsche ich uns allen gute Gesundheit und die Energie, die Veränderungen im Markt als Chance zu sehen, diese zu ergreifen und im Sinne der Leser zu lösen.

Eine aktuelle Frage zum Schluss: Wie stehts eigentlich mit Ihrer Fusion(?) mit Könemann…. alles im Plan?

Das Kartellamt ist noch in der Prüfung. Im Moment scheint bei denen ein weitreichender Informationsbedarf über die Buchbranche zu herrschen. Ich hoffe doch, dass sich dieser auf unser Vorhaben konzentrieren wird und wir mit einer zukunftsgerichteten Antwort für die Branche und uns rechnen dürfen.
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

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